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Mit selbstverletzendem Verhalten (SVV) oder autoaggressivem Verhalten beschreibt man eine ganze Reihe von Verhaltensweisen, bei denen sich Betroffene absichtlich Wunden am Arm oder anderen Körperstellen zufügen. Dabei besteht keine direkte Suizidabsicht, wenngleich Betroffene häufig entsprechende Gedanken haben. Selbstverletzendes Verhalten ist oftmals, aber nicht immer ein Symptom psychischer Erkrankungen. Zu unterscheiden ist es von Selbstverstümmelung, die einer eher "rationalen" Motivationslage entspringt, etwa der Vermeidung der Einziehung zum Kriegsdienst.

Sehr häufig wird bei SVV die Haut mit einer Rasierklinge an- oder aufgeritzt und mehr oder weniger tief in das Fleisch geschnitten. In Betroffenenkreisen werden daher häufig auch die Bezeichnungen Ritzen oder seltener Schneiden für dieses Verhalten verwendet. Manchmal wird auch zu anderen Methoden wie verbrühen oder verätzen gegriffen.

Junge Frauen, speziell Missbrauchopfer, scheinen besonders anfällig für selbstverletzendes Verhalten zu sein. Außerdem tritt das Verhalten häufig in Kombination mit dem Borderline-Syndrom,Asperger-Syndrom, Depressionen und Schizophrenie auf.

Selbstverletzungen haben oft auch eine rational nachvollziehbare Funktion. Sie dient dem sich Verletzenden dazu ein aufgrund von Entfremdungsgefühlen u. a. vermindertes Körpergefühl zu kompensieren. Bei einem Schnitt z.b. werden körpereigene Opiate freigesetzt, welche ein kurzfristiges Euphoriegefühl auslösen.

Selbstverletzendes Verhalten zeigt sich bei Menschen, die häufig:

sich selbst nicht leiden können und sich verneinen
sehr empfindlich auf Ablehnung reagieren
chronisch ärgerlich sind, normalerweise auf sich selbst
dazu neigen, ihre Angst zu unterdrücken
einen hohen Grad aggressiver Gefühle besitzen, was sie sehr stark missbilligen, häufig unterdrücken und nach innen lenken
verhältnismäßig impulsiv sind und denen es an Impulskontrolle mangelt
dazu neigen, nach ihrer Stimmungslage zu handeln
dazu neigen, in den Tag hinein zu leben und nicht weiterzuplanen
depressiv oder selbstmordgefährdet sind
unter chronischen Angstzuständen leiden
leicht reizbar sind
sich selbst als unfähig erachten, mit unerwarteten Situationen und Emotionen umzugehen
keine vielfältigen Möglichkeiten der Verarbeitung und Bewältigung besitzen
glauben, ihr Leben nicht meistern zu können
dazu neigen, "den Kopf in den Sand zu stecken", Problemen aus dem Weg zu gehen
kein Selbstvertrauen besitzen
sich als machtlos empfinden
sich einsam fühlen
sich emotional niemandem anvertrauen, sich auf niemanden verlassen können

Durch den Vorgang der Selbstverletzung wird das seelische Leid, das die Betroffenen empfinden, zu vermindern versucht. Offenbar scheint eine Art Verkörperlichung mentaler Spannungszustände eine wesentliche Rolle zu spielen: Der Vorgang der Verletzung, insbesondere das eigene aus einer Wunde austretende Blut, scheint innere Spannungszustände im wahrsten Sinne "abfließen" zu lassen. Dieser katharsische Effekt, von dem Betroffene berichten, hält aber in der Regel nur für eine kurze Zeit vor, sodass sich das Verhalten oft wiederholt.
Weiterhin scheint der Vorgang der Selbstverletzung den Betroffenen einen Teil der Kontrolle über sich zurückzugeben: Es erscheint ihnen, als wären sie vor dem Leid, welches ihnen außenstehende Personen immer wieder zufügen, in gewisser Weise geschützt, da sie sich auf den selbst zugefügten Schmerz seelisch vorbereiten können.



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